Hast Du schon mal über ein Morgen-Ritual nachgedacht? Auch wenn das heißt, morgens ein paar Minuten früher aufzustehen, um langsam, ruhig und genussvoll in den Tag zu starten? Diese ungestörte und wertvolle Ich-Zeit am frühen Morgen nur für Dich selbst, mit oder ohne Ritual, zu genießen?
Es gibt Menschen, die sind ausgesprochene Nachteulen und diese Vorstellung schreckt sie komplett ab. Sie können sich fast nichts Schlimmeres vorstellen. Wenn Du Dich zu diesen Personen zählst und allein beim Lesen der ersten Zeile erschrocken zusammenzuckst, ist dieser Artikel vermutlich für Dich nicht geeignet. Denn es wäre absolut wider Deine Natur, würdest Du Dich dazu zwingen.
Trifft das so nicht auf Dich zu, könnte es durchaus eine Überlegung wert sein, Dir ein frühes oder früheres Aufstehen anzugewöhnen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dieser Umstieg gelingen kann und sich allemal lohnt.
Von frühen Vögeln und Nachteulen
Angeblich (laut Untersuchungen der RWTH Aachen) gehören nur 10% der Menschen zu den Frühaufstehern, während 20% von uns sich zu den Nachteulen zählen. Ob diese Zahlen stimmen, weiß ich nicht, ich habe sie abgeschrieben. 😉
Genauso wie die Erkenntnisse aus verschiedenen Studien, die besagen, dass Frühaufsteher mehr Eigeninitiative zeigen und zufriedener mit sich selbst sind als Nachteulen. Vermutlich liegt das daran, dass Frühaufsteher die ruhigen Morgenstunden nutzen, um zu reflektieren und sich Gedanken zu machen, was tagsüber ansteht und welche Prioritäten sie sich setzen möchten.
Ob das jetzt so stimmt oder nicht, wie genau die Verteilung ist und ob frühes Aufstehen wirklich zu mehr Zufriedenheit führt (oder ob zufriedenere Menschen lieber früh aufstehen, es sich also genau umgekehrt verhält), all das weiß ich nicht. Es spielt für diesen Artikel auch keine Rolle.
In diesem Blogbeitrag möchte ich Dir die Vorzüge eines Morgen-Rituals erläutern und Dir ein paar Tipps geben, wie Du es schaffst, Dich umzustellen.
Dass es möglich ist, sich umzustellen, weiß ich sicher, denn ich habe es gemacht.
Auch wenn ich mich nie als Nachteule gesehen habe, so habe ich mich früher auch nicht zu den Lerchen gezählt. Frühes Aufstehen war mir ein Graus. Heutzutage möchte ich es nicht mehr missen, denn es sind die schönsten Stunden des Tages für mich und ich genieße mein Morgen-Ritual sehr. So sehr, dass ich es regelrecht vermisse, kommt mir was dazwischen.
Die Morgenstunden sind ganz klar meine „Ich-Zeit“
Schon eine Stunde unverplanter Zeit ist heutzutage für viele von uns, vielleicht auch für Dich, ein großes Geschenk. Wenn Du Dir diese Zeit am frühen Morgen nimmst, gibt es Sonnenaufgang und Vogelgezwitscher gratis dazu (jedenfalls im Frühling und Sommer).
Der entscheidende Vorzug ist jedoch, dass Du für Dich allein bist. Niemand will etwas von Dir, niemand erwartet, dass Du dies oder jenes tust oder gut gelaunt bist, es gibt keinerlei Verpflichtungen anderen gegenüber.
Diese Zeit am frühen Morgen gehört ganz Dir!
Auch wenn Du es schaffen würdest, Dir ein Zeitfenster am Nachmittag oder Abend freizuschaufeln, der Morgen hat noch andere Vorzüge.
- Du kannst die Dinge mit frischem Geist angehen.
- Über Nacht haben sich möglicherweise ein paar gedankliche Probleme wie von allein gelöst, und Du hast Zeit, Deine Lösungen sorgfältig zu notieren.
Nicht umsonst gibt es den guten Tipp, über etwas noch mal eine Nacht zu schlafen. Das hat etwas mit dem sogenannten Alphawellen-Zustand im Gehirn zu tun. In meinem Artikel „Die Grundvoraussetzung für Kreativität – mentale Entspannung, auch Alphawellen-Zustand genannt” erläutere ich Dir dieses Phänomen näher und gebe ein paar Tipps, wie Du diesen Zustand bewusst herbeiführen kannst. Ein Morgen-Ritual eignet sich dafür übrigens hervorragend. 😉 - Aktivitäten, von denen Du weißt, dass sie Dir guttun, aber dennoch etwas Überwindung kosten, lassen sich leichter angehen, wenn Deine Willenskraft noch erfrischt und aufgetankt ist.
- Die Erfahrung, gleich morgens etwas Wichtiges oder auch etwas Schönes geschafft zu haben, gibt Dir wiederum einen Energieschub, andere vielleicht lästige Aufgaben zu erledigen.
Probiere es doch einfach mal aus mit dem frühen aufstehen. Es gibt sicher noch einige gute Gründe mehr.
Allerdings: Gute Gründe sind erst mal nicht mehr als gute Gründe. Was aber machst Du, wenn Du (noch) kein Morgenmensch bist, aber einer werden willst?
5 Hilfen, wie Du morgens leichter aus den Federn kommst
Wenn Du gerne ausprobieren möchtest, ob sich durch das frühe Aufstehen, vielleicht sogar verbunden mit einer regelmäßigen Routine, etwas in Deinem Leben zum Besseren verändert, findest Du hier ein paar Hilfen, die es Dir erleichtern, Dich umzustellen.
Freude spüren
Du hast Dir diese Morgenzeit verdient, also lass Dich ganz von dem leiten, was Dich glücklich macht, Dir Freude bereitet und Du richtig gerne tust. Verdeutliche Dir, warum Du früh aufstehen willst, und belohn Dich dafür direkt. Du musst nichts, oder Du solltest besser nichts, in diese wertvolle Zeit quetschen, was Du ganz und gar nicht magst. Davon tun wir eh schon viel zu viel den ganzen Tag …
Vielleicht freust Du Dich auch schon am Abend vorher auf die bevorstehende schöne Aktivität am nächsten Morgen, die Du Dir vorgenommen hast. Das hilft Dir nebenbei auch gut einzuschlafen.
Visualisieren
Ehe Du ins Bett gehst, stellst Du Dir ein paar Minuten lang vor, wie schön Deine Zeit am nächsten Morgen in aller Ruhe sein wird, bevor der Rest der Welt erwacht. Wie Du voller Genuss an Deinem frisch aufgebrühten Kaffee nippst und Dir den Duft genüsslich in die Nase steigen lässt. Solltest Du lieber Tee trinken oder sonst ein Morgengetränk haben, geht das natürlich auch.
Ich mache diese Visualisierungs-Übung mittlerweile regelmäßig, ganz automatisch. Nicht weil ich „muss“, sondern weil es mir tatsächlich Freude bereitet. Bereits wenn ich mich ins Bett lege, freue ich mich auf meinen leckeren Kaffee am nächsten Morgen. Für mich ist das etwas Besonderes, denn mit ganz wenigen Ausnahmen trinke ich tagsüber keinen Kaffee mehr.
Die Sonne hereinlassen
Wenn Du aufwachst, öffne die Gardinen weit, damit die Morgensonne das Zimmer hell erleuchtet. Öffne außerdem die Fenster weit und atme tief die frische Morgenluft ein.
Sanft aufwachen
Kauf Dir einen Wecker, der den Sonnenaufgang simuliert. Oder einen, der Dich mit Vogelgezwitscher weckt. (Soweit ich weiß, gibt es sogar Wecker, die beides kombinieren).
Dich selbst überlisten
Das eigentliche Aufstehen ist meist am schwersten. Wenn alle bisher genannten Tricks nichts helfen, stell den Wecker so weit vom Bett weg, dass Du aufstehen musst, um ihn auszustellen.
Oder, und diesen Trick wende ich jedes Jahr im Frühjahr an, wenn die leidige Zeitumstellung ansteht: Du stellst Dir, über mehrere Wochen verteilt, Deinen Wecker jeweils nur 5 Minuten früher. Dann ist der Wechsel nicht so abrupt und die Umstellung fällt Dir leichter.
Zwar dauert es dann auch etwas länger, bis Du Dir morgens wirklich einen Zeitpuffer geschaffen hast, aber Du kannst die Umstellungs-Phase dafür nutzen, auszuprobieren, zu testen und herauszufinden, wie Du Deine morgendliche Ich-Zeit für Dich gestalten willst.
Wer früh aufstehen will, muss auch früh schlafen gehen
Kein Mensch, und ich schon gar nicht, sagt Dir, dass Du zum Frühaufsteher werden musst! Auf gar keinen Fall! Ich will Dir lediglich Anregungen geben, es doch mal auszuprobieren. Da ich weiß, dass sich diese Gewohnheit ändern lässt, könnte es auch für Dich von Vorteil sein.
Allerdings musst Du Dich nicht zwingen, früh aufzustehen, wenn Du es auf der anderen Seite partout nicht schaffst, auch früher ins Bett zu gehen. Und Du musst Dir auch keine Lerchen-Routine aufzwingen, wenn Du es liebst, eine Nachteule zu sein.
Dann gehörst Du eben zu den Menschen, die den Frühaufstehern den Zauber des Morgens überhaupt erst ermöglichen. 😉
Würden wir alle früh aufstehen, wäre es um die wunderbare Stille am Morgen ja rasch geschehen.
Auch wenn Dein Morgen-Ritual Deine wertvolle ICH-Zeit sein soll, so verlängert sie den Tag nicht auf magische Weise.
Soll heißen: Wenn Du früher aufstehst, musst Du auch früher schlafen gehen.
Gezwungenermaßen früh aufzustehen und damit auf wichtigen Schlaf zu verzichten ist komplett unsinnig! Schlaf ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für körperliche und geistige Erholung. Schlafdefizit dagegen macht krank.
Statt Morgen-Ritual kann Deine Ich-Zeit auch einfach nur im Sein bestehen
Wenn es Dir absolut nicht gelingt, früher aufzustehen, um etwas länger Zeit für Dich zu haben und ein Morgen-Ritual zu entwickeln, probiere es doch mal mit nur 10 Minuten.
Dein kleines Morgen-Ritual kann auch darin bestehen, gut und freudig in den Tag zu kommen. Damit ist schon viel gewonnen und Deine Tage werden dadurch mit der Zeit eine ganz andere Qualität bekommen.
Kein Mensch schreibt Dir vor, dass Du bereits frühmorgens etwas „durchdenken, planen, reflektieren oder sonstiges tun müsstest”. Wenn das überhaupt nicht Dein Ding ist, lass es!
Schenk Dir stattdessen ganz bewusst morgens ein paar Momente der Stille. Dann beginnst Du den Tag einfach nur mit dem Sein.
Entscheide Dich ganz bewusst dafür, den Tag in Ruhe und Stille zu beginnen, statt aus dem Bett zu springen und noch vollkommen matschig in der Birne in den Tag zu stolpern, von 0 auf 100 hochfahren zu wollen und sogleich hektisch die ersten wichtigen Aufgaben erledigen zu wollen. Das gibt Deinem ganzen Tag eine ganz andere Qualität.
Wie Dein Morgen-Ritual aussieht, definierst alleine Du!
Vielleicht magst Du Dir für den Morgen ein Kaffee-Ritual gönnen (wie schon geschrieben, natürlich geht auch Tee oder jedes andere gesunde Getränk). Ich mag es mit einem richtig guten Kaffee, fair gehandelt und biologisch produziert. Das ist meine Art von Luxus, den ich mir gönne.
Diesen brühe ich mir immer frisch auf, setze mich still hin und trinke ihn in Ruhe, bevor ich etwas anderes mache. Vieles sortiert sich in diesem Moment der Stille und findet seinen Platz, was am gestrigen Tag noch wie wild durch meinen Geist herumgespukt ist. Mit der bewusst wahrgenommenen äußeren Ruhe kehrt auch Ruhe in meine Gedanken ein. Ideen und Lösungen bekommen die Möglichkeit, sich mir zu zeigen oder in mir aufzusteigen. Alles ganz ohne bewusstes Herbeidenken oder angestrengtes Nachdenken.
Ich liebe diesen stillen Moment, der ganz mir gehört. Allmählich beginne ich erst danach mit meinen anderen Morgen-Aktivitäten, die für mich zum Ritual geworden sind. Und die ich nicht mehr missen möchte, denn sie erleichtern mir mein Leben sehr.
Vielleicht machst Du bereits ein solches oder ähnliches Morgen-Ritual?
Dann war dieser Artikel möglicherweise eine kleine Erinnerung, warum Du es tust. 🙂
Wenn nicht, probiere es doch einfach mal aus. Du musst ja nicht gleich zum aktiven „Würmchen-Fänger” werden (von wegen „Der frühe Vogel… “ und so).
Schau doch einfach mal, wie es für Dich ist, wenn Du Dir morgens ein paar Minuten Muße schenkst! Dafür bräuchtest Du nur 10 Minuten früher aufzustehen. Vermutlich hast Du damit aber schon viel für Dich getan.